Ellen Mäder-Gutz

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Berlin / Vechta

Dr. Sabine Schlenker (Ausschnitt aus der Eröffnungsrede in der Galerie KunstNesse  Leer am 8.11.15)

„Nicht direkt realistisch, aber auch nicht komplett abstrakt.“ So bezeichnet Ellen Mäder-Gutz selbst ihre Kunst. Doch was verbirgt sich hinter dieser so kurzen wie prägnanten Aussage, die uns neugierig macht und zugleich etwas verunsichert? Denn wie ist eine Kunst, die weder das eine, noch das andere ist? Weder „direkt realistisch, noch komplett abstrakt“?

Von der klassischen Bildhauerei kommend, arbeitet Ellen Mäder-Gutz seit vielen Jahren mit den verschiedensten Materialien und in den unterschiedlichsten Techniken. Während sie anfangs vor allem Skulpturen aus Stein gehauen hat, ist es heute vor allem Holz, aus denen sie bis zu 2 Meter große Skulpturen erschafft. Dabei verwendet die Künstlerin, die an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Bildhauerei studiert hat, gerne unterschiedliche Holzarten.

Ellen Mäder-Gutz lässt sich in ihrem gesamten Schaffen von der Natur inspirieren, ohne sie jedoch direkt abzubilden. Vielmehr taucht sie ein in die Innenwelt der Pflanzen und Blumen und holt aus der Fülle der Formen und Farben, die ihr die florale Welt bietet, einen Schatz an Ideen und Anregungen, den sie in ihre eigene künstlerische Sprache umsetzt. Nie sind in ihren Arbeiten einfache Blumenabbildungen, oder realistische Blumenbilder zu sehen. Vielmehr führt sie uns in ihrem gesamten Werk in einen geheimnisvoll anmutenden Kosmos floraler Motive, die eine mitunter faszinierend erotische Ausstrahlung besitzen und bisweilen unweigerlich Assoziationen des Weiblichen hervorrufen. Dabei wirken die Arbeiten zugleich vertraut und doch fremd. Vertraut, weil wir in ihnen Vorbilder aus der Natur wiedererkennen. Fremd, weil sie eben nicht den realen Geschöpfen gleichen, sondern in eine abstrahierte Bildsprache übersetzt sind, die beim Betrachten die Realität weit zurücklässt und eine geistige, ästhetisierte Welt offenbart, in der die floralen Formen zu eigenständigen Wesen werden und einer scheinbar geheimen Symbolik angehören. Es ist gerade dieses Pendeln zwischen Realität und Abstraktion, das uns beim Betrachten der Werke dazu auffordert, genau hinzusehen und zum einen die florale Form zu erfassen, aber zugleich auch das Dahinterliegende, das Verborgene zu erfahren. So wanken wir stets zwischen dem, was wir als real zu erkennen meinen und dem, was als etwas nicht Greifbares automatisch mit aufsteigt, wenn wir die Skulpturen umrunden. Ellen Mäder-Gutz glättet und rundet das harte organische Material und verleiht dem daraus entstandenen Objekt eine sinnlich weiche Konnotation, die nichts mehr mit der unbehandelten rauen Oberfläche des Holzes gemein hat. Gleich echter Blumen scheinen die blütenähnlichen Skulpturen dabei ihre Köpfe in die Höhe zu recken und nach der Sonne, nach dem lebensnotwendigen Licht zu suchen.

Zwar verfährt Ellen Mäder-Gutz in ihrer Kunst gleich einer Forscherin, die in die fremde und unbekannte Welt der Blumen und Pflanzen eindringt, doch liegt ihr nichts daran, diese in ihre wissenschaftlich benennbaren Einzelteile aufzufächern und damit deren Geheimnisse aufzudecken. Im Gegenteil geht es ihr darum, diese zu bewahren sowie den zauberhaften Kosmos der Pflanzenwelt in ihrer ganzen Fülle zu erfahren und in ihre Kunst zu übertragen.

Das Erschaffen der floralen Formen weist unmittelbar auf uns und unsere umgebende Welt zurück, die tatsächlich in mehrfachem Sinne unschätzbare Variationen an Formen und Farben und daraus wieder entstehende Kombinationen kennt. Die wilde, aber auch die von Menschenhand gezähmte Natur im Garten oder im Park ist unermesslich vielfältig, schön, unheimlich, zart, exotisch opulent oder karg und so schöpft Ellen Mäder-Gutz aus einem nie versiegenden Reservoir an Bildmöglichkeiten und Darstellungsideen.

1954 in Bergfelde geboren

1973-75 Lehre als Schmuckgürtlerin in Jüterbog

1975-77 Grafikabendstudium an der Kunsthochschule Berlin – Weissensee

1977-82 Studium der Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin – Weissensee

1988- 90 Gaststudium an der UdK Berlin bei Karlheinz Biederbick

2000 Ausbildung zur Multi-Media Gestalterin bei der ARGE Multimedia Bremen

2001 Lehraufträge an der Hochschule Bremerhaven und an der Hochschule für

Grafik und Buchkunst Leipzig

seit 2002 wissenschaftlich – künstlerische Mitarbeiterin an der Universität Vechta

lebt und arbeitet in Berlin und Vechta


Stipendien

Arbeitsstipendium im Paul-Ernst-Wilke Atelier Bremerhaven, Stipendiatin im Künstlerhaus Hooksiel,

Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen, Gaststipendium auf dem Barkenhoff Worpswede,

Arbeitsstipendium” Frans Masereel Centrum für Druckgrafik ” Belgien

Arbeiten im öffentlichen Besitz und Sammlungen

Skulpturensammlung Berlin-Friedrichshain, Kunstverleih Berlin-Friedrichshain, Landkreis Cuxhaven, Kunstverein Bremerhaven, Seestadt Bremerhaven, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten / Antwerpen/Belgien, Frans – Masereel Centrum Kasterlee/Belgien, Evangelisches Bildungszentrum Bad Bederkesa, Gemeinde Wangerland, Yerevan Armenien, Kunstverleih der Stadt Vechta, Firma Olfry Vechta, Oldenburgische Landesbank, Stadt Visbek


Ausstellungen (Auswahl seit 2000)

2015 3 TAGE KUNST, Messe für Gegenwartskunst, Kommunale Galerie Berlin

Skulpturen Zeichnungen Druckgrafik Kunstkreis Galerie KunstNesse Leer
2014 Vertrautes Fremdes Kunstkreis Cloppenburg (K)

Farbräume die Galerie Dötlingen (K)

2013 три в одном oder Das grüne Licht der Steppen – eine künstlerische Feldforschung

auf den Spuren von Brigitte Reimann Literaturforum im Brecht-Haus Berlin (K)

2012 Ferne Nähe Hafenmuseum Bremen

DRUCKBAR die Zweite Umweltbundesamt Dessau

2011 Berliner Liste, fair for contempory art and photographie

Bremer Kunstfrühling

das eine und das andere Kunstverein KAPONIER Vechta
DRUCKBAR Kölner Graphikwerkstatt

2010 bella donna Pavillon des Gerhard Marcks Hauses Bremen
gezeichnet BBK-Bremen Jahresausstellung, Spedition am Güterbahnhof Bremen, (K)
Große Kunstausstellung Villa Kobe Halle, (K)

2009 flores Galerie Borchert & Schelenz Berlin, (K)

wie eine rose Galerie Weidenstieg Cuxhaven

2007 Vertraute Fremde Paul-Ernst-Wilke Atelier Bremerhaven

flores Kunstverein Stade

2006 Tulpan & Pernilla Kunsthalle Bremerhaven (K)

2005 Skulpturen Zeichnungen Druckgrafik Ofen- und Keramikmuseum Velten (K)

6. Niedersächsische Grafiktriennale Schloss Bevern

2003 Jubiläumssausstellung Frans Masereel Centrum, Kasterlee, Belgien

Die keramische Skulptur im Freien Westerwaldmuseum (Publikation)

2002 stadtgedächtnis Künstlerhof Buch, Akademie der Künste Berlin

2001 Begegnung mit Eva Künstlerhaus Hooksiel

2000 – 03 Bopp’s business collection Rostock, MS Helgoland , Barkenhoff Worpswede,

Wewerka-Pavillon, Münster, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig,

Wohnen Leben Arbeiten GEHAG Forum Berlin, (Publikation)